Die Rahmenplanung zum Bahnhofsplatz Vegesack ist ein Teilprojekt des Integrierten Entwicklungskonzepts Grohn (pdf, 3.5 MB) (IEK), welches bei der Senatorin für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung verantwortet und mit Städtebaufördermitteln finanziert wird. Städtebauliche Rahmenpläne sind nicht rechtsverbindlich. Die tatsächliche Umsetzung der Einzelprojekte erfolgt durch verschiedene Projektträger zu späterer Zeit und aus der Rahmenplanung ergeben sich noch keine konkreten Vorgaben für die Ausgestaltung der Einzelprojekte. Über das IEK stehen rund zehn Millionen Euro für die Rahmenplanung und die Umsetzung weiterer Projekte zur Verfügung.
Der Vegesacker Bahnhofsplatz ist ein Verkehrsplatz mit wenig Aufenthaltsqualität. Die im Umfeld der Grohner Düne liegenden Bereiche vom Vegesacker Hafen über den Bahnhofsplatz einschließlich der Schönebecker Aue und Teilflächen des Stadions Vegesack sollen mit dem Ziel der Aufwertung qualifiziert werden. Der Bahnhofsplatz erhält als räumlicher Anziehungspunkt und Vermittler sowie als ÖPNV-Schwerpunkt zwischen Bahn und Bus eine besondere Rolle. Zu den in der Rahmenplanung berücksichtigten Einzelprojekten gehören
- verkehrliche Maßnahmen wie die Neuanordnung der Haltestellen des Schienen- und Busverkehrs und eine veränderte Führung des Pkw-, Rad- und Fußgängerverkehrs am Bahnhofsplatz,
- stadtgestalterische Maßnahmen wie die Schaffung eines repräsentativen Bahnhofs-Vorplatzes als Visitenkarte von Vegesack und die stadtraumverträgliche Ausbildung des Hochwasserschutzes am Vegesacker Hafen, der deutlich höher werden muss, und
- weitere Projekte mit Bezug auf den Landschaftsraum wie die Renaturierung der Schönebecker Aue und die Errichtung eines großzügigen Eingangs zu den weiträumigen Sportanlagen am Stadion Vegesack.
Weil jedes Einzelprojekt eigene Flächenansprüche hat, bestehen zwischen den Projekten Abhängigkeiten. Das Bauamt Bremen-Nord hat die jeweiligen Flächenanforderungen in der Rahmenplanung miteinander in Einklang gebracht und damit die Voraussetzungen für die Umsetzung der Einzelprojekte verbessert.
Durch eine Verlängerung des Gleis 1 in Richtung Friedrich-Klippert-Straße besteht die Möglichkeit, die Züge an Gleis 1 näher an den Stadtraum und damit an die Haltepositionen der BSAG fahren zu lassen. Durch den Rückbau des Fahrradparkhauses zwischen Friedrich-Klippert-Straße und dem Kopfbau des Bahnhofs öffnet sich das Gleis 1 zum Bahnhofsplatz. Damit kann einerseits die Umsteigesituation zwischen Bus und Bahn erheblich verbessert werden und anderseits der Kopfbau des Bahnhofs entsprechend seiner Historie wieder freigestellt werden. Das Bahnhofsgebäude kann sich identitätsstiftend und repräsentativ auf dem neuen Bahnhofsplatz positionieren und der Nutzung des Ortes damit gerecht werden. Eine neue Überdachung wird in Fortsetzung der vorhandenen Bahnsteigüberdachung als Klammer um den Gleiskopf herumgeführt und verbindet den Bahnhof mit dem Kulturbahnhof. Damit öffnet sich das Bahnhofsensemble auch in Richtung des neuen Speicherquartiers bzw. des Ortsteil Grohn in den gesamten Stadtraum und verleiht dem Ort eine angemessene und stadtbildprägende Präsenz.
Ein Bahnhofsplatz dient üblicherweise als räumlicher Vermittler zwischen dem Bahnfahren und dem umliegenden Stadtraum. Dazu muss er wie ein Foyer in einem Gebäude übersichtlich gestaltet sein, um den pendelnden Menschen Orientierung zu geben. Darüber hinaus soll er Ankommenden einen ersten Eindruck von der Stadt vermitteln und als „Visitenkarte“ dienen. All diese Anforderungen werden heutzutage vom Bahnhofsplatz Vegesack nur unzureichend erfüllt, da er sich nicht direkt vor dem Bahnhof, sondern umgeben von Verkehrswegen in Insellage zwischen den Haltestellen der BSAG befindet. Der neue Bahnhofsplatz wird deshalb zwischen dem Bahnhofsgebäude und dem neuen ZOB (Zentraler Omnibusbahnhof) verortet, um einen übersichtlichen Umstieg zwischen Bus- und Bahn zu ermöglichen. Darüber hinaus schafft er als räumlicher Vermittler durch eine klare Gestaltung übersichtliche Übergänge in die umliegenden Stadträume der Schönebecker Aue, des Vegesacker Hafens bzw. darüber hinaus nach Vegesack und Grohn. Der Bahnhof selbst wird durch den neuen Bahnhofsplatz weitestgehend freigestellt und kann so zeichenhaft die Funktion des Ortes vertreten. Die Geometrie des Platzes wird begrenzt und bestimmt vom unterirdischen Verlauf der Schönebecker Aue und der dadurch entstehenden konisch zulaufenden Form zum Vegesacker Hafen, die ein spannendes Raumgefüge erzeugt. So prägt der ursprüngliche Landschaftsraum der Schönebecker Aue, der für die Gründung des Hafens und damit Vegesacks ausschlaggebend war, als Zitat den neuen Bahnhofsplatz Vegesack.
Direkt angrenzend an den neuen Bahnhofsplatz prägt der unterirdische Verlauf der Schönebecker Aue auch die Geometrie des neuen ZOB. Die Haltestellen werden nicht wie heute weit voneinander entfernt, sondern kompakt parallel zueinander und zur Schönebecker Aue angeordnet. Die An- und Abfahrt des ZOBs ist sowohl von/in Richtung Norden als auch von/in Richtung Süden möglich. Die Haltestelleninseln werden mit großzügigen Überdachungen ausgestattet, die zusammen mit der neuen Überdachung am Bahnhofskopf ein stadtbildprägendes und identitätsstiftendendes Ensemble bilden, die der Bedeutung des Orts gerecht werden. Analog zur Funktion des Daches beim Bahnhofskopf, welches über den reinen Wetterschutz als Verbindung in den Stadtraum und als Klammer zwischen den Bahnhofsgebäuden dient, wird im nordwestlichen Bereich des ZOBs ein weiteres Dach vorgesehen, welches einerseits als räumlicher Vermittler den ZOB an den Stadtraum anschließt und anderseits unter dem Dach verschiedene Nutzungen wie z.B. Personalräume der BSAG oder Kiosknutzungen vereint und gestalterisch integriert.
Im Zuge des sich erhöhenden Hochwasserschutzes am Hafenkopf besteht Handlungsbedarf, diese Anforderungen behutsam in den Stadtraum zu integrieren. Ziel ist es, die physische Barriere der Hochwasserschutzwand aufzuheben, so dass sie Bestandteil des Stadtraumes wird und vielfältige Funktionen erfüllen kann, die über die des Hochwasserschutzes hinausgehen. Dieses soll durch eine großzügige Treppen- und Plateauanlage (Deichtreppen) mit Sitzstufen ermöglicht werden, die an die Hochwasserschutzwand angebaut wird, der Anlage eine alltagstaugliche Nutzung für die Menschen zum Aufenthalt gibt und selbst identitätsstiftend und ortbildprägend wird. Die Umsetzung des Projektes steht in Abhängigkeit zum Planfeststellungsverfahren zur Erhöhung des Hochwasserschutzes. Die Federführung für das Verfahren liegt bei der Umweltbehörde.
Im Zuge der Neuerrichtung der Umkleide des SAV wird die bestehende Umkleide zurückgebaut. Das eröffnet die Chance durch eine großzügige und durchgrünte Sitzstufenanlage den Bahnhofsplatz zu den tiefer gelegenen Sportflächen zu öffnen und diese beiden Bereiche räumlich miteinander zu verbinden. Die Gestaltung der Anlage orientiert sich an der Formensprache der Deichtreppen, um einen entsprechenden räumlichen Zusammenhang zu schaffen. Direkt anschließend an die Sitzstufenanlage befindet sich eine Freizeitsportfläche. Das Stadion Vegesack bzw. der historisch prägende Landschaftsraum der Schönebecker Aue erhalten damit eine einladende und offene Eingangssituation, die dem Ort gerecht wird. Die Umsetzung des Projektes steht in Abhängigkeit zu den Anforderungen an die Sportflächen, die vom Sportamt definiert werden.
Der derzeitige Verlauf der Schönebecker Aue wird weitestgehend beibehalten, allerdings besteht die Möglichkeit, das Gewässerbett als solches zu renaturieren. Die Federführung für dieses Projekt liegt bei der Umweltbehörde. Sollte es zu einer eigentumsrechtlichen Einigung zwischen Stadtgemeinde und der Deutschen Bahn AG kommen, könnten auch die Flächen zwischen der Schönebecker Aue und den Gleisanlagen mit in die Renaturierung einbezogen werden. Dadurch entsteht die Möglichkeit, den Warnemünder Weg südlich entlang der Aue bis zu zur Vegesacker Heerstraße zu führen und die umliegenden Bereiche durch den Rückbau des untergenutzten Parkplatzes zu entsiegeln, zu renaturieren und sie öffentlich zugänglich zu machen. So wird der Lückenschluss für ein zusammenhängendes Freiraumband entlang der Schönebecker Aue über den neuen Bahnhofsplatz bis zur Mündung in den Vegesacker Hafen geschaffen. Durch die Verlegung des Warnemünder Wegs gibt es am nördlichen Uferbereich weitere Gestaltungsmöglichkeiten zur Renaturierung. Der Zugang zum Stadion Vegesack bleibt unangetastet.
Seit der ersten Entwurfsvorstellung im Beirat Vegesack im Jahr 2021 wurden 2023 verschiedene Stellen und Behörden sowie die Öffentlichkeit an der Rahmenplanung beteiligt. Aufgrund der gewonnenen Hinweise ist die technische Machbarkeit der Rahmenplanung gutachterlich plausibilisiert worden und der Entwurf ist daraufhin überarbeitet worden.
Haben Sie Fragen? Wenden Sie sich gerne an das Bauamt Bremen-Nord.
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